Filzen lernen
|Werbung| Filzen lernen ist nicht nur etwas für uns Große. Das Filzen von Wolle ist eine wunderbar ruhige, fast meditative Beschäftigung, die auch Kinder begeistert. Beim Filzen trainieren sie ihre Feinmotorik, lernen Geduld und Konzentration – und am Ende entsteht etwas, das sie wirklich selbst gemacht haben. Egal ob kleine Tiere, Schlüsselanhänger oder Dekofiguren: Filzen ist leicht zu lernen und macht richtig Spaß.
Was ist Trockenfilzen überhaupt?
Beim Trockenfilzen (auch Nadelfilzen genannt) wird ungewaschene oder leicht vorbehandelte Wolle mit einer speziellen Filznadel gestochen, bis sich die Fasern miteinander verbinden. Es braucht kein Wasser, keine Seife und keinen großen Aufwand – nur etwas Geduld und Übung.
Die kleinen Widerhaken an der Nadel verhaken die Wollfasern ineinander, bis ein festes, formbares Material entsteht. So lassen sich Figuren, Oberflächen oder sogar Applikationen für Taschen und Kleidung gestalten.
Zwei Techniken: Nassfilzen vs. Trockenfilzen
Trockenfilzen (Nadelfilzen)
Mit Filznadeln stecht ihr in die Wollfasern. Die Nadeln haben kleine Widerhaken, die sich beim Ein- und Ausstechen verfangen, so entsteht Stück für Stück Struktur.
+ Sehr präzise, ideal für Figuren & Details
+ wenig Ausstattung nötig
− Dauert länger bei großen Flächen
− Nadeln können brechen
− muss regelmäßig gestochen werden.
Nassfilzen
Wolle mit Seife und lauwarmem Wasser anfeuchten, dann durch Reiben, Rollen oder Walken Bewegung erzeugen, bis die Fasern sich verfilzen. Nach dem Ausspülen in Form trocknen.
+ Große, glatte Flächen möglich
+ oft schneller bei Flächen
− Weniger präzise bei Details
− man benötigt mehr Platz.
Welche Wolle eignet sich zum Trockenfilzen?
Nicht jede Wolle ist gleich gut zum Filzen geeignet. Besonders gut funktioniert Filzwolle im Vlies oder Kammzug – am besten ungefärbt oder pflanzengefärbt, da sie sich besonders gleichmäßig verfilzt.
Empfohlene Wollarten:
- Vlieswolle: perfekt für feste Formen wie Kugeln, Körber oder Tiere
- Kammzug: ideal zum Wickeln von Arme und Beinen
- Viskose: für Haare oder seidig wirkende Kleider
- Wensleydale oder Gotland: leicht glänzend, super für Haare, Mähnen oder Oberflächen mit Struktur
- usw.
Die Feinheit der Wolle wird in Mikron angegeben – je niedriger der Wert, desto feiner und weicher ist die Faser. Merinowolle hat z. B. etwa 18–22 µm und eignet sich dadurch ideal für feine Details und glatte Oberflächen. Bergschafwolle liegt mit rund 30–34 µm deutlich höher und ist perfekt für robuste Figuren oder größere Projekte.
Achtet beim Kauf unbedingt darauf, dass die Wolle mulesingfrei ist – also von Schafen stammt, die tierfreundlich gehalten werden.
Tipp: Wenn ihr gerade erst anfangt, bestellt euch ein kleines Woll-Set mit verschiedenen Farben – so habt ihr gleich Auswahl zum Experimentieren.
Filznadeln – das Herzstück beim Trockenfilzen
Die Nadeln sind das wichtigste Werkzeug überhaupt. Sie sind aus Stahl und haben winzige Widerhaken, die beim Einstechen die Wollfasern verhaken.
Die Nadelstärke wird in Gauge (G) angegeben – je höher die Zahl, desto feiner die Nadel.
Für Einsteiger:innen reichen mittlere und feine Nadeln (36–40 G) völlig aus.
- ca. 36 G → grobe Nadel, gut für Grundformen
- ca. 38 G → Mittelgröße, ideal für Anfänger:inne
- ca. 40 G → feine Nadel für Details oder Glätten
Die gängigsten Nadeltypen:
- Standardnadel (dreikantig): Allrounder für alle Filzarbeiten
- Sternnadel (4-zackig): arbeitet schnell, sticht leicht ein – ideal für weiche Wolle
- Spiralnadel: verdrehte Form, hinterlässt weniger Einstichlöcher
- Eco Star: kombiniert Stern- und Dreikantform, besonders effektiv
- Reverse-/Fellnadel: zieht Fasern nach außen – perfekt für Flausch- oder Felleffekte
Zum Starten reichen Standard-Nadeln in feiner und mittlerer Stärke vollkommen aus.
Grundausstattung & Zubehör
- Filznadeln
- Wolle
- Filzunterlage: am besten eine feste Schaumstoffmatte oder spezielle Filzunterlage
- Nadelhalter (optional): hilfreich, wenn ihr mit mehreren Nadeln gleichzeitig arbeitet
- Finger- oder Lederschutz: für Kinder oder Anfänger:innen sehr empfehlenswert!
So funktioniert Trockenfilzen – Schritt für Schritt
- Wolle vorbereiten: reißt kleine Mengen von der Wolle ab, nicht schneiden.
- In Form bringen: leicht zu einer Kugel oder Rolle formen.
- Stechen: mit der Nadel senkrecht in die Wolle stechen – gleichmäßig, nicht zu tief.
- Form festigen: weiterstechen, bis die Form kompakt wird.
- Details ausarbeiten: mit feinerer Nadel kleinere Formen anfilzen oder Oberflächen glätten.
- Zusammenfügen: Einzelteile leicht überlappend anfilzen – ohne Kleber!
Tipp: Je häufiger ihr stecht, desto fester wird die Figur. Lieber viele kleine Stiche als wenige harte.
Und wo kommen Seife & Wasser ins Spiel?
Eigentlich ist Trockenfilzen „trocken“.
Aber ein kleiner Trick: Wenn ihr am Ende wollt, dass euer Werk besonders glatt wird, könnt ihr es kurz mit lauwarmem Wasser und etwas Olivenölseife oder Kernseife abreiben.
Die Seife hilft, die letzten Fasern zu verbinden, das Wasser sollte dabei handwarm (ca. 35–40 °C) sein. Danach gut trocknen lassen.
Typische Anfängerfehler (und wie ihr sie vermeidet)
- Zu schnell stechen: lieber langsam, sonst bricht die Nadel (beim ersten Projekt sind mir gleich 2 gebrochen)
- Falsche Nadelstärke: zu grob = Löcher, zu fein = kein Effekt.
- Schräg stechen: immer gerade einstechen, sonst verbiegt oder bricht die Nadel.
Fazit
Trockenfilzen ist der perfekte Einstieg in die Welt des Filzens – ohne Chaos, ohne Wasser, ohne Nähmaschine. Ein paar Nadeln, etwas Wolle und los geht’s.
Gerade für Kinder (oder Erwachsene mit zu viel Bildschirmzeit) ist es eine wunderbar entschleunigende Beschäftigung, die Geduld und Kreativität schult.
Probiert es einfach aus – die ersten Figuren sind vielleicht noch etwas krumm, aber genau das macht ihren Charme aus.
Profil-Empfehlungen und
Bei diesen Profilen findet ihr ganz viel Inspiration und Wissen:
SHOPS
https://www.lescatole.de/
https://www.trolle-und-wolle.de/
https://www.wollknoll.eu/shop/
Schreibt doch mal unten in die Kommentare, wenn ihr noch Empfehlungen für Shops habt.
Pfiet’enk und viel Spaß beim Selbermachen!
Eure Judith
Projektinformationen
Projektnummer 272










20. November 2025 @ 21:11
Mit Kindern kann man auch toll mit Keksausstechern Nadelfilzen, dann sind die Finger durch die Umrandung gut geschützt. Gerade jetzt vor Weihnachten kann man die Motive gut nutzen.