Bevor wir mit den Körperformen starten, möchte ich euch auf den ersten Blogbeitrag zu dieser Reihe hinweisen. Dort erzähle ich euch alles zu meinen Beweggründen: warum ich meinen Kleiderschrank komplett neu gestalten möchte, wie lange dieser Gedanke schon in meinem Kopf herumschwirrt, und warum ich nicht länger warten wollte, sondern JETZT damit starte.
Warum die Körperform bei einer Capsule Wardrobe so wichtig ist
Nicht jeder Schnitt passt zu jedem Körper – und das ist völlig okay.
Bevor es an die Auswahl der Farben, Schnitte und Stoffe geht, gibt es noch einen entscheidenden Schritt:
die eigene Körperform verstehen.
Dabei geht es nicht um „Problemzonen“, sondern um Proportionen. Und die lassen sich ziemlich einfach bestimmen.
Die Körperform hilft euch zu verstehen:
- wo euer Körper Volumen hat
- wo er schmaler ist und
- wie Kleidung diese Proportionen ausgleichen oder betonen kann.
Für jeden Körpertyp gibt es Schnitte, die besonders gut passen – und andere, die weniger geeignet sind. Gerade beim Nähen einer Capsule Wardrobe hilft dieses Wissen, bewusste Entscheidungen zu treffen und Fehlgriffe zu vermeiden.
Die klassischen Körperformen – Übersicht für eure Capsule Wardrobe
A-Form (Birne)
- Schultern schmaler als Hüfte
- Taille meist gut erkennbar
- Hüften, Po und Oberschenkel dominanter
X-Form (Sanduhr)
- Schultern und Hüfte etwa gleich breit
- deutlich definierte Taille
Tipp: Taille betonen, weiche Schnitte wählen, nicht verstecken.
H-Form (Rechteck)
- Schultern, Taille und Hüfte ähnlich breit
- wenig Taillierung
Beispiel: eher sportlich, gerade Silhouette
Tipp: optisch Taille erzeugen, Weichheit und Struktur schaffen. Formen schaffen durch Schnitte, Lagen und Details.
O-FORM (APFEL)
- Volumen in der Körpermitte
- Beine oft schlanker
- Schultern meist leicht rund
Beispiel: Gewicht sammelt sich im Bauchbereich
Tipp: Körpermitte strecken, vertikale Linien schaffen, Beine betonen. Weich fließende Stoffe.
V-Form (umgekehrtes Dreieck)
- Schultern breiter als Hüfte
- wenig Volumen im Unterkörper
Beispiel: athletische Schultern, schmale Hüfte
Tipp: Oberkörper optisch beruhigen, Unterkörper betonen.
So bestimmt ihr eure Körperform
Um eure Körperform zu bestimmen, braucht ihr weder komplizierte Tabellen noch perfekte Zahlen. Entscheidend ist nicht die exakte Zentimeterangabe, sondern das Verhältnis eurer Proportionen zueinander.
Am einfachsten funktioniert das mit einem Maßband und einem neutralen Blick auf euren Körper.
Mir persönlich haben dabei Fotos von mir selbst in enger Kleidung sehr geholfen – zum Beispiel ein enges Shirt und eine Leggings. Auf einem Foto lassen sich Proportionen oft objektiver erkennen als im Spiegel (siehe Bild weiter unten).
Das braucht ihr dafür:
- ein Maßband
- einen Spiegel oder ein Ganzkörperfoto
- eine entspannte, aufrechte Haltung
- enganliegende Kleidung (z. B. ein enges Shirt und eine Leggings)
Diese Körperstellen messt ihr:
- Schultern – an der breitesten Stelle
- Brust – locker, nicht einschnüren
- Taille – an der schmalsten Stelle
- Hüfte – an der stärksten Stelle
Nehmt euch dafür Zeit und bleibt ehrlich zu euch selbst. Es geht nicht darum, euch zu bewerten, sondern euch besser zu verstehen.
So wertet ihr aus
Vergleicht nicht einzelne Zahlen isoliert, sondern stellt euch folgende Fragen:
- Ist meine Hüfte deutlich breiter als meine Schultern?
- Sind Schultern und Hüfte ähnlich breit?
- Ist meine Taille klar definiert oder eher gerade?
- Wo sitzt optisch das meiste Volumen?
Daraus lassen sich die Körperformen gut ableiten:
- Hüfte deutlich breiter als Schultern → A-Form
- Schultern und Hüfte ähnlich breit, Taille schmal → X-Form
- Schultern, Taille und Hüfte ähnlich breit → H-Form
- Volumen vor allem in der Körpermitte → O-Form
- Schultern deutlich breiter als Hüfte → V-Form
Wichtig zu wissen
Die wenigsten von uns entsprechen einer Körperform zu 100 Prozent. Mischformen sind völlig normal. Die Körperform ist keine Schublade, sondern ein Werkzeug, das euch hilft, bewusster Schnitte, Längen und Proportionen zu wählen – besonders beim Nähen einer Capsule Wardrobe.
Meine Körperform: A-Form als Basis für meine Capsule Wardrobe
Für mich ist relativ klar, dass mein Körper eine A-Form hat.
- Ich habe eine mittlere bis leicht breite Schulterpartie. Die Schulterlinie ist etwas breiter als der Brustbereich.
- Meine Taille ist deutlich erkennbar, nicht extrem aber klar schmaler als Schultern und Hüfte. Die Einzüge sind weich aber nicht kantig.
- Die Hüfte ist breiter als die Schultern und das Volumen sitzt klar im Hüft- und Oberschenkelbereich. Der Übergang von der Taille zur Hüfte ist rund und fließend. Mein Unterkörper ist klar dominanter.
Mein Ober- und Unterkörper wirken ausgeglichen – es gibt keinen extremen Längenunterschied, die Beine sind kräftig und die Silhouette läuft von oben nach unten leicht auseinander. Der visuelle Fokus liegt klar auf Hüfte und Beine.
Daraus leite ich ab, dass mein Körper eine A-Form mit klar definierter Taille hat. Oben stabil und klar, in der Mitte definiert und unten voluminöser.
Grundprinzipien für meine A-Form
- Blick nach oben lenken (Schultern, Ausschnitte, Details im Oberkörper nutzen)
- Taille sichtbar, aber nicht eingeschnürt (definieren aber nicht pressen)
- Unterkörper beruhigen (klare Linien, wenig Spielereien, kontrolliertes Volumen)
- vertikale Linien nutzen (sie strecken und balancieren meine Proportionen perfekt)
Aufgrund meiner Körperform und dieser Erkenntnisse werde ich im nächsten Schritt die passenden Schnitte für mich suchen.
Pfiet’enk und viel Spaß beim Selbermachen!
Eure Judith
Projektinformationen
Projektnummer 280


